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Äußerer Anschlag beim Pistolenschießen

Aus Shooting.Wiki DE

Der äußere Anschlag

Beim Anschlag wird immer zwischen inneren und äußeren Anschlag unterschieden. Zum äußeren Anschlag gehört alles, was man sehen oder fotografieren kann. Der innere Anschlag umfasst dagegen alles nicht sichtbare, u.a. Muskeltonus, Gefühl des Gleichgewichts, etc.

Grundsätzlich gibt es zwei äußere Anschlagsarten:

  • der steile Anschlag
    • Fußstellung und Schulterachse sind in Schussrichtung gerichtet
    • dabei wird der Kopf stark gegenüber der normalen Haltung verdreht
  • der offene Anschlag
    • Fußstellung und Schulterachse sind ca. frontal zur Scheibe gerichtet
    • der Kopf wird hierbei nur leicht verdreht

Der steile Anschlag wird hier deutlich detaillierter erklärt, da er einige Vorteile gegenüber dem offenen Anschlag hat (Erörterung später) und gerade wenn mehrere Pistolendisziplinen geschossen werden man sich einen Anschlag angewöhnen sollte. Sofern der steile Anschlag nicht eingenommen werden kann, weil daurch z. B. die Nackenmuskulatur zu stark verpannt wird, wird der Anschlag so lange gedreht und geöffnet, bis der Hals/Nackenbereich nicht übermäßig beansprucht wird. Durch Training der entsprechenden Muskeln kann später der Anschlag wieder weiter zurück gedreht werden.

Der äußere Anschlag wird grundsätzlich durch zwei Bereiche bestimmt:

  • die Sportordnung
    • stehend freihändig
    • nur eine Hand zum Schießen
    • weder Schießarm noch Handgelenk dürfen unterstützt werden
  • anatomische Bedingungen
    • Körpergröße
    • physikalische Bedingungen (z. B. große Hebelwirkung bei langen Armen)
    • Voraussetzungen wie z. B. Beweglichkeit des Nackens
Pistole 3 ansichten.jpg


Äußere sichtbare Kriterien des Anschlages

Folgende sichtbare Kriterien gibt es:

  • Fußstellung
  • Körperhaltung
  • Armhaltung
  • Kopfhaltung

Fußstellung

Allgemeine Grundsätze:

  • schulterbreite, natürliche Fußstellung (etwas mehr wie schulterbreit, größere Menschen ruhig etwas breiter)
  • die Füße stehen parallel zueinander
  • gedachte Linie: linke Ferse -> rechte Fußspitze -> Scheibe
  • linker Fuß steht etwas weiter vorne (etwas weiter rechts; von vorne gesehen)
  • Beine werden fixiert (natürliche Spannung, ohne Kraft)

Steiler Anschlag

  • Rückstoß kann besser über den Körper abgefangen werden
  • Visier ist weiter vom zielenden Auge entfernt - größere Präzision
  • Brust- und Rückenmuskulatur werden gleichmäßig beansprucht

Steil: Diese Fußstellung erfordert eine hohe Beweglichkeit der Hals- und Nackenmuskulatur weil der Kopf stark verdreht werden muss

Offener: Bei dieser Fußstellung werden Hals- und Nackenmuskulatur nicht so stark beansprucht. Der Kopf wird nur leicht verdreht.

Pistole zwei anschlagsarten.jpg


Körperhaltung

  • Der Oberkörper ist aufrecht und das Körpergewicht ist gleichmäßig auf beide Beine zu verteilen.
  • Der Körperschwerpunkt ist in der Mitte der Standfläche.
Pistole standflaeche.jpg
  • Um das Waffengewicht besser auszugleichen kann der Oberkörper leicht nach hinten geneigt werden. Dies sollte aber nicht zu weit erfolgen um Gesundheitsschäden im Bandscheibenbereich vorzubeugen und einen instabilen Anschlag zu vermeiden.
  • Um diese Rückwärtsneigung zu erzielen wird die die Hüfte einfach nach vorne oder schräg nach vorne geschoben.
Pistole ansicht seitlich.jpg
  • Der Oberkörper darf im Bereich der Hüfte nicht verdreht werden.
  • linke und rechte Schulter bleiben im Bereich der Fußmitte

Armhaltung

Schießarm

  • Der Ellenbogen wird gestreckt und Arm- und Handgelenk werden fixiert.
  • Dies garantiert immer eine gleichmäßige Entfernung der Waffe vom Auge und der Rückstoß wird besser abgefangen.

schießfreier Arm

  • in der Tasche oder am Gürtel (vorne am Bauch) fixieren, damit keine Pendelbewegung des Armes auftritt, da sonst eine Unruhe im Anschkag entsteht
  • schießfreie Schulter bleibt entspannt und wird nicht nach oben gezogen

Kopfhaltung

Pistole ansicht vorne fokus kopf.jpg

Allgemeine Grundsätze:

  • Die Kopfhaltung und damit der Blick über die Visierung müssen immer gleich sein.
  • Es ist unbedingt darauf zu achten, dass eine gerade Kopfhaltung zur Visierung und Scheibe eingehalten wird. Dadurch ist eine optimale Sehschärfe gewährleistet.
  • Durch eine gerade Kopfhaltung kann das Gleichgewichtsorgan (im Innenohr) optimal auf die Gleichgewichtsregulierung einwirken.
  • Beim Verdrehen des Kopfes zur Visierung und Scheibe darf die Hals- und Nackenmuskulatur nicht extrem Beansprucht werden. Sollte dies der Fall sein, dann den Anschlag so lange leicht öffnen, bis die extreme Beanspruchung abgebaut ist.

Wichtig zu den Augen: Eine schräge oder geneigte Kopfhaltung führt zu:

  • Schielstellung der Augen
  • starke Beanspruchung der Augenmuskulatur
  • starke Ermüdung der Augen
  • verminderte Sehschärfe

Wichtig zum Gleichgewicht:

  • Gleichgewichtsstörungen und damit verbundene Körperschwankungen werden nicht richtig wahrgenommen
  • Das Gleichgewichtsorgan wird beim Zielen besonders stark gefordert. Da nur mit einem Auge gezielt wird fällt die dreidimensionale visuelle Unterstützung zur Korrektur des Gleichgewichts weg.

Wichtig zur Hals- und Nackenmuskulatur:

  • Die Hals- und Nackenmuskulatur darf in der Schießposition nicht extrem verspannt oder verdreht sein.
  • Bei zu starker Beanspruchung ermüdet die Muskulatur sehr schnell und der Kopf dreht leicht zurück. Die Folge ist meist ein links verklemmtes Korn in der Kimme.

Vielen Dank an Jan-Erik Aeply (Pistolentrainer DSB) für die Erlaubnis sein Technik-Leitbild verwenden zu dürfen!